1919 - 1929

Düsseldorf im Jahr 1919, kurz nach dem schrecklichen Ende des Ersten Weltkrieges. Das war eine geteilte Stadt. Linksrheinisch waren die Belgier, im Süden die Briten Besatzungsmacht. Und überall in den Straßen sah man kriegsentlassene Verwundete, die an die schrecklichen Kämpfe in Frankreich, Italien oder auch in ehemals k. u. k. österreichischen Gebieten wie etwa Galizien erinnerten. Aber es gab auch einen neuen Aufschwung und das gerade im Sport. Immer häufiger war von spannenden Wettfahrten mit dem Kanu, dem Wasserfahrzeug der Indianer, zu hören. Wassersport, das war etwas für junge Leute, die den Rhein ständig vor Augen hatten. 23 Kanubegeisterte gründeten 1919 im Gasthaus "Zur Linde" den "Düsseldorfer Kanu-Verein, Abteilung Oberkassel".

Abenteuerlich klingen die Erinnerungen, niedergeschrieben in der Festschrift zum 40jährigen Bestehen des Vereins, der damals, 1959, noch "Kanu-Club Düsseldorf" hieß, nachdem schon 1920 zunächst der alte Verein verlassen worden war, ein "Club" gegründet wurde und wenig später auf den Begriff "Oberkassel" verzichtet wurde. Vom 24. September 1920 bis 1977 hieß der Verein "Kanu-Club Düsseldorf - KD", erst dann wurde daraus der "Kanu- und Yachtclub Düsseldorf - KYD".

Doch zurück zum Gründungsjahr 1919. Die ersten selbstgebauten Boote sollen eher zugespitzten Blumenkästen als Renn-Kajaks geglichen haben. Fehlkonstruktionen wurden mit Petroleum und Teer brennbar gemacht und angezündet. Als schwimmende Fackeln sorgten sie für den "Rhein in Flammen". Für umweltbewußte Leute von heute eine Horrorvorstellung.

Ab 1920 also nannte der Verein sich "Kanu-Club Düsseldorf". Da ein Verein Fahnen und Farben braucht, entschied man sich für grün-weiß-schwarz, die Farben Preußens und der Rheinprovinz. Da es eine dem Auge angenehme Farbfolge ist, sind dies die Vereinsfarben bis heute geblieben, obwohl es weder Preußen noch die Rheinprovinz mehr gibt.

Was ihn nicht hinderte, sich auf Dauer häuslich linksrheinisch niederzulassen. Ein Bootshaus mußte geschaffen werden, das war schon damals keine leichte Aufgabe. Schließlich fand sich eine Möglichkeit in der "Villa Rheineck" in Heerdt. Der Kanu-Club, beflügelt von der Idee sportlicher Leistung vor allem auf dem Rhein, trat dem Deutschen Kanu-Verband bei und nahm auch gleich mit dem Zweier-Team Deutschmann/Visser an der Deutschen Meisterschaft in Frankfurt teil. Das war 1921, ein Jahr, in dem nach nur zwanzigjährigem Bestehen der Grundstein für Jahrzehnte wassersportlicher Erfolge gelegt wurde. Als erster Jugendlicher trat Hans Rein dem Club bei, ein Sportler, der viele Meisterschaften holte und bis weit in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges aktiv blieb. Er und der ganze Verein waren stolz auf sein bei den Kölner Schütte-Lanze-Werken gekauftes Sperrholzboot, das 5,20 Meter lang und 85 cm breit, also wirklich "schnittig"war. Andere Jugendliche begeisterten sich für den neuen Sport, eine der ersten Jugendriegen im Kanusport überhaupt, entstand in Heerdt. Schon 1922 wurde eine Stadtregatta auf der Stromstrecke zwischen Oberkasseler Brücke, die Skagerrak-Brücke (nach der Seeschlacht bei Skagerrak) hieß, und dem Pappelwäldchen auf 1.200 Meter Strom ausgetragen. Damals gab es drei Kanu-Vereine, der KD siegte in der Zweier-Meisterschaft mit dem Team Uderstadt/Rein.

Hans Rein, 1926
Hans Rein, 1926

Ein so junger Verein, in schwieriger Zeit gegründet, reich an Ideen und Idealen, aber arm an finanziellen Mitteln, wurde von der wirtschaftlichen Entwicklung, die zu einer unvorstellbar galoppierenden Geldentwertung führte, hart getroffen. Trotzdem wurde hin und wieder fröhlich gefeiert, entweder in der Heerdter "Villa Rheineck" oder der Oberkasseler Konditorei Junker, wo auch die Mitgliederversammlungen stattfanden. Da wurde dann zum Beispiel der Mitgliedsbeitrag fürs Quartal auf 130 Millionen Mark festgesetzt, außerdem wurde eine einmalige Umlage von 20 Millionen Mark erhoben. Umrechnungsgrundlage war der gerade geltende Margarinepreis. Eine Generation später sollte in "Zigaretten-Währung" gerechnet werden. Trotz solcher Probleme blühte der Verein auf. Es gab sogar schon Boote aus Eiche und Mahagoni. Ein Boot für ein Vierer-Team mit Steuermann war zwölf Meter lang und wog etwa drei Zentner. Die Bootsunterkunft in Heerdt wurde zu klein.

Erst 1926 wurde an der Rheinallee ein Grundstück für ein eigenes Bootshaus gefunden, im November 1927 wurde es dann eingeweiht. Zwar gab es finanzielle Unterstützung durch die Stadt und den Regierungspräsidenten, die Hauptlast aber trugen die Mitglieder, sie zahlten was sie konnten und schufteten in ihrer Freizeit für den Verein. Die Währungsreform im November 1923 und damit anbrechende bessere Zeiten machten dem Verein Mut. Das Bemühen um sportliche Erfolge wurde verstärkt.

Bootshaus Rheinallee 75, Einweihung am 5.11.1927
Bootshaus Rheinallee 75, Einweihung am 5.11.1927

Auf die schienen die Mannschaften des KD dann bald abonniert. 1924 Sieger der Stadtmeisterschaft im Einer und Zweier. Es wurden fünf von zehn Rennen bei der Kreismeisterschaft gewonnen. Bei der ersten Langstreckenmeisterschaft über 25 km in Travemünde "nur" ein zweiter Platz für die Düsseldorfer, Sieg bei der Duisburger Herbstregatta auf der unteren Ruhr für den Einer mit Jupp Mainz und den Zweier mit Uderstadt/Rein. 1926 folgten weit größere Erfolge. So eine Goldmedaille bei der Langstrecken-Meisterschaft für Zweier-Faltboote. Siege auf dem Rhein und dem Staffelsee, aber auch mal ein ungewolltes Bad in der Isar.

Während mit Mühen und viel Improvisation am neuen Bootshaus gebaut wurde, trainierte Hans Rein jeden Morgen um 6 Uhr mit seinem Einer in Hamm. Der Verein wuchs, aber nicht jedes neue Mitglied setzte auf Meisterschaftsehren. Wanderfahrten waren beliebt. Fast jeden Sonntag wurden die Boote mit Lastwagen zu den umliegenden Gewässern gebracht, zur Erft, zur Schwalm, zum Schwarzbach oder sogar an die Lippe. Die Abenteuer bei diesen Fahrten bildeten Gesprächsstoff bei den Vereinsabenden. Und natürlich die sportlichen Erfolge, zum Beispiel bei einer Langstreckenstaffel 1927 zwischen Köln und Emmerich. Die Düsseldorfer Vereine traten dazu gemeinsam an. 1928 wurde Treis an der Mosel zum zweiten Standbein des KD. Ein Vereinsmitglied war von Berufswegen an die Mosel "verschlagen" worden und regte die Einrichtung eines KD-Wander-heimes an. Alljährlich gab es nun im Frühjahr und Herbst Wanderfahrten vom Rhein zur Mosel, Höhepunkte im geselligen Leben des Vereins.

Die Zahl der sportlichen Erfolge wuchs ständig. Zwei Siege bei der Stadtregatta auf dem Erftkanal 1927, zweiter Platz bei der Langstreckenmeisterschaft auf der Donau, bei der erstmals Klepper-Rennfaltboote mit Zelluloid-Einlagen  gefahren wurden, allerdings noch nicht von den Düsseldorfern. Bei den Kreismeisterschaften 1928 in Neuwied ging der Sieg im Zweier an die Mannschaft Rein/ Stamm. Sie gewann damit den begehrten Herausforderungspreis des Nieder-rheinkreises, eine alte Kogge.

Immer wieder gelang es dem KD, Strömungen der Zeit aufzunehmen und für seine Mitglieder zu nutzen. So waren viele Kanuten auch begeisterte Handballer. Es war mehr als ein Witz, wenn gefragt wurde, ob aus dem KD wohl bald ein HD werden würde. Im Zeichen der Zeit auch eine Entscheidung der Mitgliederversammlung 1929: Frauen konnten von nun an als aktive Mitglieder aufgenommen werden.

 

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